Das Herinneringscentrum Kamp Westerbork ist eine bedeutende Gedenk- und Bildungsstätte in der niederländischen Provinz Drenthe. Es erzählt die Geschichte des Durchgangslagers Westerbork, von dem aus während des Zweiten Weltkriegs über 102.000 Juden, Sinti und Roma in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. Für Familien mit älteren Kindern und Jugendlichen ist der Besuch ein eindrückliches Stück europäischer Geschichte zum Begreifen und Verstehen.
Zwei Orte, eine Geschichte
Der Besuch gliedert sich in zwei Teile: das Museumsgebäude mit seiner Dauerausstellung und das rund 2,7 km entfernte historische Gelände, das per Shuttle-Bus erreichbar ist. In der Ausstellung werden persönliche Geschichten von Häftlingen, Wachpersonal, Zugfahrern und Helfern lebendig – anhand von originalem Filmmaterial aus dem Jahr 1944, einer teilweise eingerichteten Baracke, einem großen Lagermodell, Kinderzeichnungen und Tausenden projizierten Namen der Opfer. Die Ausstellung ist bewusst so gestaltet, dass sie auch für Kinder ab 7-8 Jahren zugänglich und verständlich ist. Mehrsprachige Audioguides, unter anderem in deutscher Sprache, sind im Eintrittspreis enthalten.
Das historische Gelände
Auf dem frei zugänglichen historischen Gelände stehen die rekonstruierte Baracke 56, das Monument der 102.000 Steine, die geschwungenen Schienen der Deportationsrampe und die Kommandantenvilla aus dem Jahr 1939. Diese Orte machen die Geschichte des Lagers räumlich erfahrbar und laden zum Nachdenken ein.
Mehr als Krieg: Auch Nachkriegsgeschichte
Nach 1945 diente das Gelände über 25 Jahre lang als Woonoord Schattenberg zur Unterbringung molukkischer Soldaten und ihrer Familien – ein weiteres, weniger bekanntes Kapitel europäischer Geschichte, das im Zentrum ebenfalls thematisiert wird.
Für Familien und Schulgruppen
Das Gedenkzentrum bietet regelmäßig spezielle Aktivitäten für Kinder, Schulklassen und Familien an. Besonders bewegend: An jedem letzten Sonntag im Monat berichten Zeitzeugen persönlich von ihren Erfahrungen. Für sein Engagement in der Vermittlung europäischer Geschichte wurde das Museum 2013 mit dem European Heritage Label ausgezeichnet.
Das Gelände ist barrierefrei gestaltet, mit Rollstühlen zum Ausleihen, kostenlosen Behindertenparkplätzen und einem Museums-Café. Für einen vollständigen Besuch mit Museum und historischem Gelände sollten Familien etwa 2-3 Stunden einplanen.